Thomas - Foto: 14.12.2000 by Udo Hübner

Fragen an ein Aktmodell


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Ich arbeite nun seit 1997 als Aktmodell und bekomme noch immer die selben Fragen gestellt. Daher habe ich hier mal die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen gestellt:

Hast Du Dich überwinden müssen, als Du zum ersten Mal als Aktmodell gearbeitet hast?

Nein.
Erstens bin ich da eher durch Zufall reingerutscht und habe anfangs nur für gute Freundinnen Modell gestanden. - Erst später wurde da so ein Rummel und ein offizieller Job daraus. (Siehe mein ausführlicher Text: Warum ich als Aktmodell arbeite)
Zweitens muss man sich ja nur dann überwinden, wenn man etwas tut, was man sich bisher nicht getraut hat, was mit einem Tabu belegt ist oder was einen sexuellen Hintergedanken hat. - Ich bin da eher naiv an die Sache rangegangen: Zwar war ich zuvor noch nie nackt in der Öffentlichkeit aufgetreten, aber dies nur deshalb, weil es sich einfach vorher nie ergeben hatte. Für mich war Nacktheit aber nie ein Tabu und auch nie mit Erotik oder Sexualität verknüpft, sondern einfach eine ganz normale natürliche Sache.
Daher habe ich mir schlicht und ergreifend gar nichts gedacht als ich zum ersten Mal Modell gestanden bin. *g*

Magst Du keine Kleidung oder warum machst Du das?

Ertappt.
Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, aber wenn ich an meine Kindheit denke, dann denke ich an eklig kratzende Pullover, enge unbequeme Hosen und Schuhe die mir die Zehen eingequetscht haben. Auch ins Baden bin ich nie gerne gegangen, weil mich Badehosen gezwickt, Sand in der Hose genervt und nasse Kleidung auf der Haut erkältet haben. Irgendwie hasse ich Kleidung und Schuhe seit meiner Kindheit. Noch heute versuche ich, nur solche Kleidung zu kaufen die möglichst weit und schlabbrig ist. (Auch wenn ich selbst das sehr unästhetisch finde.)
Dann frage ich mich aber: Warum Geld ausgeben für Kleidung in der man sich fühlt als wäre man nackt? - Dann ist es doch gleich günstiger ganz auf Kleidung zu verzichten.
Aber ich gebe zu, diese Haltung ist sehr kritisch, weil es einfach sehr viele Menschen gibt, für die Nacktheit automatisch mit Erotik und Sexualität verbunden ist und die dies dann automatisch auch mit mir in Verbindung bringen. (negativ oder positiv)
Ein großer Vorteil des Jobs als Aktmodell ist allerdings, dass man morgens nicht stundenlang vor dem Schrank stehen und überlegt muss, was man heute anzieht. *g* (Für jemanden der -wie ich- nur wenig Kleidung besitzt und eigentlich monatelang immer die selbe Kleidung trägt -natürlich regelmäßig gewaschen- ist das optimal!)

Arbeitest Du hauptberuflich als Aktmodell?

Die Geschichte ist komplex.
Ursprünglich habe ich 1997 nur aus Spaß und für ein paar befreundete Studentinnen Modell gestanden. Das Modellstehen war nur als vorübergehender Jux im privaten Kreis gedacht und ich habe mich dafür auch nicht bezahlen lassen. Mit den Jahren wurde aber eine echt große Leidenschaft daraus die ich aber niemals beruflich oder gegen Bezahlung machen wollte.
Erst Ende 1999, als ich dringend einen Job gesucht habe, bin ich eher zufällig an die Kunstakademie Stuttgart gekommen und habe dort als Aktmodell auf Stundenbasis angefangen (und erstmals gegen Bezahlung gearbeitet). - Auch dies war aber nur als vorübergehender Job und nicht für längerfristig gedacht. - Allerdings hat sich die Arbeit als Aktmodell inzwischen tatsächlich zeitweise zu meiner Haupteinnahmequelle entwickelt. (Natürlich auch einfach mangels anderer Jobs.)
Ich vermeide aber nach wie vor den Begriff "Hauptberuflich":
Zum einen, weil das Modellstehen für mich immer noch in erster Linie eine Leidenschaft und kein Beruf ist. (Wer nur aus beruflichen/finanziellen Gründen als Aktmodell arbeitet, ist, nach meiner Erfahrung, nie wirklich gut, weil für die Arbeit einfach sehr viel Leidenschaft und Begeisterung notwendig sind.)
Zum anderen kann man als Mann auch nicht von der Arbeit als Aktmodell leben: Aktmodell ist ein leider noch immer vor allem für junge attraktive und freizügige Frauen ein optimaler und gut bezahlter Beruf. Ältere Frauen und männliche Aktmodelle werden zwar auch gesucht, aber nur in geringer Anzahl und eher für weniger freizügige (also sehr schlecht bezahlte) Aufträge.

Warum arbeitest Du als Aktmodell, Du hast doch was seriöses gelernt?

Was ich jetzt sage gilt ausdrücklich nur für den Beruf des künstlerischen Aktmodells im Bereich der Bildenden Kunst, NICHT für Fotomodelle, Erotik-/Pornodarsteller oder ähnliches:
Nach allem, was ich nach 13 Jahren in diesem Beruf gelernt habe, halte ich Aktmodell im Bereich der Bildenden Kunst inzwischen für einen der seriösesten, ernsthaftesten, sinnstiftendsten und anspruchsvollsten Berufe überhaupt!

1. Der Beruf ist körperlich sehr anstrengend! - Wenn man abends nach Hause geht, spürt man in jedem einzelnen Muskel, dass man heute wirklich was geleistet hat! - Das Gefühl dürfte es heute in kaum einem anderen Beruf mehr geben! (evtl. im Handwerk) - Nicht zu vergleichen mit irgendeinem 0815-Bürojob.

2. Der Beruf ist psychisch sehr anstrengend! - Wer schon Mal versucht hat, stundenlang hoch diszipliniert still zu halten, ohne dabei mit der Wimper zu zucken, der weiß was ich meine! - Selbst wenn es einen noch so sehr juckt oder schmerzt, selbst wenn man sich schlecht fühlt und einem gerade überhaupt nicht danach ist sich nackt zu zeigen und selbst wenn einem einige der Teilnehmer unsympathisch sind. - Dasitzen und stundenlang nichts tun hört sich einfach an, wenn man es aber gut machen will, ist es eine hohe, herausfordernde und teilweise schmerzhafte Kunst.

3. Man muss keine Leute belügen oder betrügen, man muss nichts herstellen was man selbst nicht mag, niemandem etwas verkaufen was man selbst nicht kaufen würde. - Stattdessen tut man etwas Gutes zum Wohle der Kunst und bereitet netten Menschen, nur durch Einsatz seines Körpers, eine große Freude. - Aktmodell ist ein ethisch-moralisch hochgradig korrekter Beruf!

Zugegeben, der Beruf hat einen komischen Ruf, ist schlecht bezahlt und man kann davon nicht gut leben. Aber es ist ein wunderschöner, sehr anspruchsvoller, richtig echter (will heißen: körperlich anstrengender) Beruf, zum Wohle der Allgemeinheit. - Und auf jeden Fall sinnstiftender, seriöser und anspruchsvoller als viele heutige (Schreibtisch-, Büro-, Computer-, Call-Center-, Bank-, Versicherungs-, Management-) Berufe!

Warum hast Du so eine große Aktmodell-Homepage, schreibst so viel und so offen darüber und hast sogar detailliert alle Jobs einzeln aufgelistet?

Das hört sich im ersten Moment recht arrogant, eitel und überheblich an, liegt aber in meiner Aktmodell-Biografie begründet: (Siehe mein ausführlicher Text: Warum ich als Aktmodell arbeite)
Als ich mit dem Modellstehen begonnen habe, wurde ich von einigen Leuten massiv kritisiert. Es wurden Falschinformationen, Gerüchte und Vorurteile über mich verbreitet. (Unter anderem wurde mir unterstellt, als Callboy und Pornodarsteller zu arbeiten.)
Um dies unterbinden zu können, bin ich in die Offensive gegangen und habe eine Homepage eingerichtet, auf welcher ich detailliert über mich und meinen Arbeit berichtet habe. Ich wollte bis ins letzte Detail offen legen, was ich tue und was nicht. Daraufhin wurde mir aber unterstellt, ich hätte all dies nur erfunden, würde mich mit Aktkunst nicht auskennen und meine Referenzen seien gefälscht. Daher habe ich angefangen alle meine Referenzen detailliert (jeden einzelnen Job) auf der Homepage aufzulisten und nachzuweisen. Zudem habe ich begonnen mich fachlich weiter zu bilden und habe mich wissenschaftlich in das Gebiet eingearbeitet.
Und so wurde dann aus anfänglichen falschen Gerüchten über mich und in Folge meiner "Abwehrstrategie", eine detailliert nachweisbare Aktmodell-Biografie, ein umfangreiches Internetangebot und letztlich eine riesige Leidenschaft für das Thema Aktkunst und Aktmodelle.

Was stört Dich an der Arbeit als Aktmodell?

Der teilweise pseudo-intellektuelle und angeblich völlig unerotische Anspruch vieler Künstler.
Es wird zwar immer behauptet, dass es sich bei Aktkunst um Kunst handele und dies nichts mit Erotik zu tun habe, die Realität sieht aber oft anders aus: Aktkunst ist nach wie vor eine Kunst der klaren Rollenverteilung: Der Künstler ist meist ein Mann, das Aktmodell meist eine Frau.
Ich erlebe es wirklich regelmäßig, dass männliche Künstler und Kunststudenten den Aktzeichensaal verlassen oder schon vorher gezielt meiden, wenn sie wissen, dass ein männliche Aktmodell anwesend ist. Man kann wirklich ganz klar erkennen, dass bei ganz vielen Aktzeichenveranstalter die sexuelle Preferenz der Künstler, Kursteilnehmer und auch der Kunstdozenten sich auf das Geschlecht des Modells auswirkt: Veranstaltungen mit weiblichem Aktmodell werden vorrangig von männlichen Künstlern und lesbischen Künstlerinnen besucht, Veranstaltungen mit männlichem Aktmodell werden vorrangig von weiblichen Künstlerinnen und schwulen Künstlern besucht.
Es gibt zwar auch Ausnahmen (zum Beispiel an Schulen wo Anwesenheitspflicht für die Studenten besteht), aber in der Summe ist klar zu erkennen, dass ein Großteil der Künstler solche Aktmodelle bevorzugen die ihren persönlichen sexuellen Vorlieben entsprechen und sie erotisch ansprechen. (Eine ganze Reihe von Kunstschulen, Künstlergruppen und auch Kunstdozenten im Raum Stuttgart arbeiten ausschließlich mit jungen, attraktiven und weiblichen Aktmodellen. - Auf die Nachfrage warum, erfährt man dann meist, dies sei notwendig, da man aus finanziellen Gründen auf zahlungskräftige männliche Kursteilnehmer angewiesen sei und diese nur dann zu finden seien, wenn man überwiegend oder ausschließlich junge attraktive weibliche Aktmodelle einsetze.)
Zudem ist auch deutlich zu erkennen, dass weibliche Aktmodelle die sich beim Aktzeichnen überdurchschnittlich freizügig zeigen, wesentlich beliebter sind und sehr viel häufiger gebucht werden. Auch für Vernissagen, Performances, Promotion, Werbung, Messeauftritte und alle anderen gut bezahlten und freizügigen Auftritte, werden fast nur junge attraktive weibliche Modelle gesucht.
Ich frage mich schon bei einigen Aktionen, was das dann noch mit künstlerischem Anspruch zu tun hat!

Was mich auch sehr stört ist die Geringschätzung die man heutzutage immer noch von allen Seiten als Aktmodell erfährt: Nach wie vor gilt diese Arbeit (die ja früher ausschließlich von sogenannten "Gefallenen Mädchen" ausgeübt wurde) als etwas sehr anrüchiges und minderwertiges. - Dass es sich dabei um einen extrem anstrengenden Beruf handelt, der große Disziplin, Mut und Zuverlässigkeit erfordert, wird verschwiegen. - Als Aktmodell wird man immer noch in die Ecke des unseriösen gerückt: Männer die den Job (egal wie seriös und anspruchsvoll auch immer) ausüben gelten noch immer als notgeile Exhibitionisten, Frauen als billige Flittchen die schnell ins Bett zu kriegen sind. - Dass diese Vorurteile auf 95 Prozent aller Aktmodelle nicht zutreffen interessiert nicht!
Und auch Künstler, Dozenten und Kunstschulen, die regelmäßig mit Aktmodellen zu tun haben, wissen meist den Wert ihrer Aktmodelle nicht zu schätzen, können sich nur selten in ihre Modelle hineindenken und verstehen die Bedürfnisse von Aktmodelle nur seltenst. Und wenn man die, nach wie vor extrem niedrige Bezahlung betrachtet, dann zeigt allein dies, dass auch die meisten Künstler und Schulen die Auffassung haben, ein Aktmodell sein nichts wert. (Wie ist es anders zu begründen, dass Künstler für ihre Bilder Preise zwischen 100 und 1500 Euro ansetzen, mit Aktmodellen aber streiten, ob diese nun 14 oder 15 Euro Gage erhalten?)

Hast Du auch sonst so eine freizügige Einstellung zu Nacktheit und Sexualität?

Nein im Gegenteil!
Ich lehne jegliche Kommerzialisierung von Nacktheit und Sexualität ab!
Ich boykottiere seit Jahren gezielt alle Produkte und Zeitschriften die mit Nacktheit und Sexualität werben!
Ich bin strikt gegen alles was Nacktheit und Sexualität künstlich, gestylt, kommerziell oder als Mittel zum Zweck darstellt!
Ich hasse niveaulose, sexistische und frauenfeindliche Witzchen und Bilder!
Ich mag keine "One Night Stands", lege Wert auf eine lange und faire Freundschaft mit Frauen und verzichte lieber auf Sex als auf die Liebe zu einer Frau!
Für mich sind Nacktheit und Sexualität, normale und natürliche Dinge, mit denen man normal und natürlich umgehen sollte und die absolut nichts künstliches, falsches oder kommerzielles vertragen!

Das stört mich massiv: Wir leben in einer extrem sexualisierten Welt, mit Nacktheit und Sex wird heute für alles und jedes geworben, in den Medien ist Nacktheit auf niedrigstem menschenfeindlichstem Niveau völlig normal, Kinder und Jugendliche wachsen mit Sex und Porno im Internet und Handy auf. Aber der ganz normale, natürliche und unsexualisierte Umgang mit Nacktheit und Sexualität ist uns heute so fern wie noch nie!
Mehr dazu auch auf der Webseite zu meiner Fotodokumentation Natürlich Nackt.

Ein großes Problem ist sowieso die riesige Diskrepanz zwischen Interesse, Wissen und offenem Gespräch über diese Themen in unserer Gesellschaft: Fast alle Menschen interessieren sich brennend für die Themen Nachtheit, Erotik und Sex. Aber kaum einer hat wirklich richtig gutes und fundiertes Wissen und keiner getraut sich das offen zu sagen oder öffentlich darüber zu diskutieren. Die Folge: Man behilft sich mit Vorurteilen, Gerüchten, Vermutungen, Halbwissen aus Illustrierten und Anschauungsmaterial aus Pornoheftchen-/-videos oder dem Internet.
Was ich inzwischen bei der Arbeit als Aktmodell gelernt habe: Die Fantasie der Menschen die sich wenig oder gar nicht mit Aktkunst auskennen sind immer um ein vielfaches schmutziger, als die von Menschen die sich tagtäglich damit beschäftigen. (Klar geht es in der Aktkunst schon auch mal sehr wild zu, aber eben nie so schweinisch und vulgär, wie externe Beobachter sich das ausmalen.)

Wenn Du Dich so sehr für Aktkunst interessierst, warum bist Du dann nicht selbst Künstler geworden?

Schwer zu sagen. - Ich fühle mich einfach nicht so recht wie ein Künstler. - Eher wie ein Lebenskünstler.
Vielleicht ist es aber auch die Angst vorm weißen Blatt. - Im Prinzip sind wir ja alle Künstler und ich in gewissen Grenzen schon auch. Aber ich hätte Angst davor, das wirklich "beruflich und offiziell" zu machen, denn dann müsste ich ja quasi gezielt und regelmäßig Kunst "liefern" können und nicht nur dann, wenn ich Lust und Ideen habe.
Zudem bin ich ein Mensch der sehr stark von Leidenschaften gesteuert wird und dabei leider das Geldverdienen leicht vergisst. Das hört sich zwar erstmal nach "typisch Künstler" an, ist aber nicht wirklich sinnvoll, wenn man auch von irgendwas Leben muss. (Ich mache eh schon zu viele leidenschaftliche ehrenamtliche Projekte und kaum bezahlte Sachen. - Da sollte ich nicht auch noch mit Kunst anfangen.)
Allerdings bin ich auch nicht so der "Typ Künstler": Das hört sich zwar für viele Leute bei einem Modell unglaubwürdig an, aber ich bin eher schüchtern, ruhig, voller Selbstzweifel und stehe nicht gerne im Mittelpunkt. - Als Künstler benötigt man dagegen relativ viel Egozentrik, Egoismus und Selbstvertrauen um sich und seine Kunst verkaufen zu können.
Was mich zudem von Künstlern sehr unterscheidet: Künstler reden zwar sehr viel von Emotionen, Gefühlen und Gedanken. Allerdings geht es bei ihnen fast immer nur um ihre eigenen. (Nur sehr wenige Künstler habe, nach meiner Erfahrung, z.B. ein Gespür für die Emotionen, Gefühlen und Gedanken ihrer Modelle.) - Ich bin dagegen ein Mensch der sich fast gar nicht mit eigenen Emotionen, Gefühlen und Gedanken beschäftigt, sondern nur mit denen anderer Menschen.

Ist es gut, wenn man in dem Job zeigefreudig, exhibitionistisch oder eitel ist?

Nein im Gegenteil!
Von einem Aktmodell wird seriöses, sachliches, nüchternes, zuverlässiges, pünktliches und professionelles Arbeiten erwartet. - Ein Aktmodell welches "zeigefreudig" ist (also zumeist sein Geschlechtsteil völlig überbewertet) oder welches gegenüber den Künstlern anzügliche Kommentare abgibt (oder gar Künstlerinnen anbaggert) ist in dem Job fehl am Platz. Auch Exhibitionisten, die sich an dem Job aufgeilen wollen und daher ihr Geschlechtsteil nicht unter Kontrolle halten können, werden in dem Job nicht glücklich, sondern sind in kürzester Zeit weg vom Fenster. Und Eitelkeit ist in dem Job ohnehin fehl am Platz: Die Kunst und der Künstler sind der Mittelpunkt der Show! - Das Modell ist nur ein Hilfsmittel und sollte daher damit leben können, dass sich letztlich eigentlich niemand so recht für das Modell und dessen Aussehen interessiert, und man als Modell meistens nicht so auf den Bildern wiedergegeben wird, wie man es gerne hätte.
Fazit: Aktmodell ist in erster Linie ein nüchterner, sachlicher, eher unerotischer und körperlich sehr anstrengender Job. Von einem Aktmodell wird zwar ein natürlicher und unverkrampfter Umgang mit Nacktheit erwartet, aber kein Exhibitionismus und keine übertriebene Eitelkeit. Im Gegenteil:
Ein gutes Aktmodell ist in erster Linie ein professionelles, zuverlässiges und pünktliches Arbeitstier, welches eigene Bedürfnisse hinten anstellen kann, welches eher dezent und zurückhaltend mit seiner Schönheit und seinem Geschlechtsteil umgehen kann und welches erotische Gedanken und sexuelle Wünsche ganz klar aus dem Job raushalten kann.

Wie kriegst Du es hin, dass Du während dem Modellstehen keine Erektion bekommst?

So eine typische Männerfrage! - Wer glaubt beim Aktzeichnen ginge es erotisch zu, der war einfach noch nie dabei.
Zur Erklärung: Eine Erektion bekommt man nur, wenn Mann im Kopf oder am Geschlechtsteil erotisch stimuliert wird.
Modellstehen ist aber eine körperlich und geistig sehr anstrengende Arbeit. Zudem findet es meist in sehr nüchternen Räumen, kühler Atmosphäre, sachlicher Zusammenarbeit und eben völlig unerotisch statt (Schulklassenzimmer-Atmosphäre). Das heißt, alle Beteiligten sind hochgradig angespannt und angestrengt. - Da bleibt eigentlich auf beiden Seiten keine Zeit für erotische Gedanken.
Eine Erektion aus erotischen Gründen ist eigentlich fast ein Ding der Unmöglichkeit und kommt normalerweise nur bei unseriösen Aktmodellen vor!
Noch am ehesten bekommt man eine Erektion, wenn man beim Modellstehen übermüdet und unkonzentriert ist (Morgenlatte *g*) und wenn man nicht regelmäßig pinkeln gehen konnte (Volle Blase drückt auf Prostata, ganz fies, weil der Penis dadurch völlig unkontrollierbar wird.).
Allerdings ist es bei einem männlichen Aktmodell schon extrem wichtig, dass es sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren kann und diese Konzentration auch über längere Zeit halten kann. Der Grund: Das Aktzeichnen selbst ist zwar sehr unerotisch, aber wenn man ein wenig Routine in dem Job hat und bei der Arbeit mit eher langsamen und unmotivierten Künstlern arbeitet, dann kann es passieren, dass während dem Modellstehen die Langeweile durchbricht. Und diese Langeweile kann für ein männliches Aktmodell gefährlich werden: Die Gedanken schweifen ab, man denkt über dieses und jenes nach und wenn man nicht aufpasst, dann mischen sich gerne auch mal irgendwelche erotischen Gedanken darunter. Diese haben zwar überhaupt nichts mit dem Modellstehen zu tun, dem Penis sieht man aber eben nicht an, was der Grund für die Erektion ist. - Und so etwas ist dann natürlich schon recht peinlich.
Insofern ist das Problem also nicht das Modellstehen selbst, sondern die Langeweile beim Modellstehen. Daher muss man sich als Mann schon sehr auf das Modellstehen konzentrieren und auch sehr aufpassen, dass sich selbst bei stundenlanger Langeweile keine "erotischen" Gedanken im Kopf einschleichen.
Und klar: Als männliches Aktmodell muss man sich damit abfinden und öffentlich dazu stehen können, dass man als Mann eben gewisse Schwächen hat. Und man muss sich und anderen eingestehen können, dass man eben nicht in der Lage ist sein Geschlechtsteil immer so perfekt unter Kontrolle halten zu können, wie Mann immer behauptet.

Wie wichtig ist denn dann das Thema Peniskontrolle?

Das Problem ist weniger die Peniskontrolle, sondern eher, die falschen Vorstellungen vom Beruf Aktmodell, die Selbstüberschätzung der Männer und die gleichzeitige Unfähigkeit von Männern in der Öffentlichkeit über eigene Schwächen zu reden:
In 99,5 Prozent aller Aufträge wird vom Aktmodell erwartet, dass es über mehrere Stunden hinweg keinerlei Anzeichen einer Erektion zeigt. Dies fällt aber fast allen Männern, und vor allem denen die den Job aus erotischen Motiven machen, extrem schwer.
In 0,5 Prozent aller Aufträge wird vom Aktmodell gezielt eine Erektion erwartet. Dies passiert dann aber meist in einer sehr nüchternen, sachlichen und unerotischen Umgebung, in Gegenwart von Zuschauern und oft ohne die Möglichkeit sich dabei erotische Gedanken zu machen. Zudem dauern die betreffenden Aktionen dann häufig mal länger und müssen mehrfach wiederholt werden. (Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Das ist dann absolut kein Spaß mehr, sondern oft knallharte, körperliche, teilweise schmerzhafte Arbeit.)
Das Problem der meisten Männer ist aber nicht nur die Kontrolle über Hormone und Penis, es ist auch schlicht ein Problem des darüber Redens: Fast alle Männer glauben, dass sie in Sachen Körper, Potenz, Sexualität, Standfestigkeit und Hormonkontrolle extrem leistungsfähig und vor jeglichem Versagen sicher sind. - Zu Hause im stillen Kämmerchen stellt man das sich so schön vor. :-) - In der Realität ist es aber leider anders: selbst das erfahrenste Aktmodell versagt manchmal (dummerweise meist dann, wenn Mann es selbst am wenigsten erwartet)!
Mit einer solchen (oft sehr peinlichen) Situation dann aber öffentlich, professionell und sachlich umzugehen, offen dazu zu stehen und sich gegebenenfalls auch mal vor Publikum dafür entschuldigen zu können, dass man den eigenen Körper nicht im Griff hat, ist die große Kunst! (Eben weil es solche Situationen ja angeblich nicht gibt und man als Mann daher nicht gewohnt ist sein Versagen in diesem Bereich öffentlich einzugestehen.)
Optimalerweise eignet sich der Beruf Aktmodell eher für Männer mit geringerem Sexualtrieb und geringerer Selbstüberschätzung, die zudem offen über ihre körperlichen und sexuellen Schwächen reden können.

Was sagt Deine Partnerin/Freundin/Frau dazu, dass Du als Aktmodell arbeitest?

Nichts, weil man als männliches Aktmodell keine Chance hat eine zu bekommen.
Das hört sich auch wieder unglaubwürdig an, aber meine Erfahrung aus den letzten 12 Jahren ist, dass Frauen sehr viel eifersüchtiger sind als Männer. Sie wollen, dass es in einer Beziehung gewisse körperliche Dinge gibt die man sonst mit niemandem teilt. Frauen akzeptieren es, nach meiner Erfahrung, nicht, wenn ihr Partner sein Geschlechtsteil ständig anderen Frauen zeigt und quasi "öffentlich zur Verfügung stellt".
Das höre ich ständig von Frauen: "Thomas, ich finde es toll, dass Du den Mut hast diesen Job zu machen. - Aber bei meinem Freund würde ich das niemals akzeptieren!"
Grausam aber wahr: Ich arbeite seit 1997 als Aktmodell und bin seit 1997 Single.

Wurdest Du schon Mal von einer Künstlerin angebaggert?

Nein.
Allerdings bin ich auch nicht so sonderlich begabt darin zu merken, wenn ich angebaggert werde. *g*
Das wäre allerdings auch sehr kritisch, weil die Künstlerin ja auch immer meine Geschäftspartnerin ist, und für eine gute Zusammenarbeit immer eine gewisse Distanz notwendig ist. Würde ich da zu enge persönliche Beziehungen oder gar sexuelle Kontakte mit meinen "Geschäftspartnerinnen" pflegen, würde dies die Zusammenarbeit deutlich beeinflussen. (Zudem ich ja mit vielen anderen Künstlerinnen weiterhin genau so vertrauensvoll zusammen arbeiten will.)
Nein, ich denke, es wäre nicht wirklich seriös mit Künstlerinnen "irgendwas" zu haben. (Ich glaube, dann hätte ich auch nicht seit 1997 so einen guten Ruf in der Branche. - Männliche Aktmodelle mit sexuellen Auffälligkeiten landen sehr schnell auf der schwarzen Liste.)

Was machst Du, wenn Du Dich in eine Künstlerin verguckst?

Ist mir bisher noch nicht wirklich passiert.
Klar, es gibt immer wieder mal nette Mädels, interessante Frauen und spannende Künstlerinnen. Aber ich bin erstens ohnehin kein Schnellbaggerer, sondern will die Frauen erst Mal länger und genauer kennen lernen. Und zweitens gilt, was ich oben schon geschrieben habe: Die Künstlerinnen sind meine Geschäftspartnerinnen mit denen ich dauerhaft und professionell zusammen arbeiten will. Private Verflechtungen, OneNightStands oder Beziehungsstress wären da wohl eher kontraproduktiv.

Wie oft hattest Du schon Sex mit einer Künstlerin?

Auch so eine typische Männerfrage! - Von Leuten die glauben, es ginge bei Aktkunst um Sex und es wäre normal, dass Künstler und Modell regelmäßig Sex miteinander haben.
Das Gegenteil ist der Fall! - Im Normalfall ist Sex absolut tabu! (Siehe obige Fragen.) Künstler und Modell sind Geschäftspartner, die Arbeit verläuft meist sehr nüchtern und sachlich, zudem ist die Arbeit für beide sehr anstrengend und es bleibt einfach keine Zeit für Erotik.
Oder um es (für Männer) ganz sachlich in Zahlen auszudrücken: Ich arbeite seit 1997 als Aktmodell und habe in dieser Funktion ca. 900 Aufträge gehabt. In dieser Zeit kam es nur 14 Mal vor, dass eine Künstlerin sich eine Erektion von mir wünschte, nur 5 Mal wurde Onanieren gewünscht und 3 Mal hatte ich echten Sex im Rahmen einer Kunstaktion. - Wohlgemerkt von ca. 900 Modellaufträgen! (Es ist also wirklich extremst selten.)
Dazu muss man sich im Klaren sein, dass selbst dann, wenn Erektion, Onanie oder Geschlechtsverkehr Teil einer Kunstaktion sind, dies normalerweise extrem sachlich, nüchtern und hochgradig unerotisch abläuft. Das heißt, es basiert nicht auf Erotik oder erotischen Gedanken, sondern meist nur auf rein mechanischer Stimulation.
Und in dem Punkt überschätzen sich alle Männer: Eine Erektion 30 Minuten lang zu halten, ohne einen erotischen Anlass zu haben, nur mit reiner Handarbeit, ist höllisch anstrengend und teilweise sogar schmerzhaft. Gleiches gilt für Onanie oder Sex. - Wenn man sich zu hause im stillen Kämmerchen erotische Gedanken machen kann oder eine erotische nackte Frau in Sichtweite ist mag das eine tolle Vorstellung sein. Aber in komplett unerotischer Atmosphäre auf Kommando "zu können", vielleicht mehrfach hintereinander und Abspritzen auf den exakten Punkt. - Das ist einfach nur knallharte und anstrengende Arbeit und hat nur selten mit Spaß zu tun.
Wenn jemand also auf der Suche nach schnellem und einfachem Sex ist, gibt es tausende Wege um schneller und einfacher daran zu kommen als mit der Arbeit als Aktmodell!

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