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Der Unterschied zwischen Exhibitionismus, FKK, Naturismus und Nudismus

Versuch einer Definition nackter Tatsachen

 

Da es immer wieder Verwirrungen zu diesen Begriffen und dem Thema Nacktheit gibt und die meisten Menschen diese Begrifflichkeiten wahllos durcheinander werfen ohne zu wissen, dass sich dahinter ganz unterschiedliche Motivationen verbergen, will ich hier einmal einen Versuch der Definition dieser 4 Begriffe wagen. (Obwohl ich weiß, dass einiges hiervon Auslegungssache ist und mancher sich hierdurch erst recht angegriffen fühlen wird.)


Exhibitionismus

(Erotik-Nacktheit)

Exhibitionismus ist die, meist sexuell motivierte, Lust am Zeigen und Gesehen werden und muss nicht zwingend mit Nacktheit in Verbindung stehen.
Exhibitionisten (egal ob angezogen oder nackt) geht es primär um das Zeigen und Gesehen werden, um das Erreichen von Beachtung durch andere Menschen oder um Bewunderung beim anderen Geschlecht. (Bei homosexuellen natürlich um Bewunderung beim eigenen Geschlecht. *g*)
Nackt-Exhibitionismus ist vorrangig sexuell motiviert. - Nackt-Exhibitionisten erfahren Freude und sexuelle Erregung daran, ihren nackten Körper anderen Menschen zu zeigen. Den meisten männlichen und fast allen weiblichen Nackt-Exhibitionisten geht es dabei übrigens nicht um die Anbahnung sexueller Kontakte. (Dafür sind sie meist zu schüchtern und zu ängstlich.) Für sie ist die reine Vorstellung des "sich nackt Zeigens" bereits sexuell erregend.
Das ist auch das große Manko der meisten Exhibitionisten: Aufgrund ihrer Komplexe und Schüchternheit läuft Sexualität meist nur in Gedanken ab. Der Mut sich emotional fallen zu lassen, um eine echte beglückende Liebesbeziehung eingehen zu können, fehlt ihnen meist.

FreiKörperKultur (FKK)

(Vereins-Vorschriften-Nacktheit)

FKK ist die streng reglementierte, meist vereinsmäßig organisierte, Gruppen-Nacktheit.
Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die FreiKörperKultur als Gegenbewegung zur damaligen strengen Weltordnung. Ihren Höhepunkt hatte die FKK-Bewegung in den 1920er Jahren: Um aus dem grauen industrialisierten Alltag auszubrechen zogen vor allem Großstadtbürger am Wochenende raus in die Natur. Dort traf man sich zur Arbeit im Schrebergarten, zu Sport und Spiel, zum Baden oder eben zum gemeinsamen Nacktsein.
Um die damals noch unerhört provokative öffentliche Nacktheit zu legalisieren wurde die Nacktheit meist mit Sport und Leibesertüchtigung kombiniert und ganz professionell im Verein organisiert. Wie es sich für ein bürokratieverliebtes Volk wie die Deutschen gehörte, wurde die FreiKörperKultur maximal geregelt, geplant, verwaltet und vereinsvermeiert.
Während sich die Welt rund um die FKK-Vereine in den letzten 100 Jahren stark verändert hat, sind diese meist bis heute noch immer in ihren alten Weltbildern und Organisationsstrukturen hängen geblieben. Strenge bierernste Regelwerke und alte hierarchische Strukturen, penible Arbeits-, Putz- und Kehrwochenpläne, komplexe Satzungen und alte überkommene Ämterbezeichnungen, die strikte Einhaltung von Rangordnungen und Vorschriften, Vereinsmeierei hoch 10 und alte Granden die nicht loslassen können. - All dies lässt FKK-Vereine heutzutage auf junge Leute wie Dinosaurier aus einer längst vergangenen Zeit wirken. - Inzwischen leiden fast alle FKK-Vereine an Überalterung und sind dementsprechend vom Aussterben bedroht.
Die klassische FKK-Bewegung, welche vor 100 Jahren als extrem modern und progressiv begann, sich aber seit fast genau so langer Zeit jeglicher Modernisierung widersetzt, wirkt deshalb heute oft eher altmodisch, konservativ und spießbürgerlich.

Naturismus

(Naturverbunden-Nacktheit)

Naturismus ist, wie der Name schon sagt, Nacktheit als Teil einer natürlichen und engen Naturverbundenheit.
Naturisten sind Konsum-, Zivilisations-, Trend- und Modeverweigerer, sowie Umwelt- und Tierschützer. Sie lehnen alles ab, was den Menschen verfremdet, was die Sinne trübt und der Natur schadet. Stattdessen versuchen sie im Einklang mit der Natur zu leben und diese so intensiv wie möglich zu spüren.
Naturisten konsumieren meist keinen Alkohol, sie rauchen nicht, nehmen keine Drogen, sind meist Vegetarier, fahren so wenig Auto wie nur möglich, verzichten weitestgehend auf Zivilisations-Schnickschnack, laufen keinen Trends hinterher, nutzen kein Parfüm und tragen nur dann Kleidung oder Schuhe, wenn dies zwingend nötig ist. Sie wollen die Natur intensiv und unverfälscht spüren und betrachten es auch als gesünder, sich, so wie unsere Vorfahren, nicht in enge Schuhe oder Kleidungsstücke einzwängen zu lassen. - Naturisten sind deshalb auch meist Barfussläufer.
Da für Naturisten die Nacktheit kein gelegentliches Hobby, sondern alltäglicher Normalfall ist, gehen sie mit Nacktheit wesentlich unverkrampfter um als andere Menschen. Sie haben meist keinerlei erotische Gedanken in Verbindung mit Nacktheit, haben aber auch manchmal Schwierigkeiten damit, zu merken, dass die Nicht-Naturisten in ihrer Umgebung nicht so unbefangen damit umgehen können.

Nudismus

(Modepüppchen-Nacktheit)

Nudismus ist die modische und trendige Nacktheit ohne weltbildlichen oder ideologischen Unterbau.
Nudisten sind Menschen die gerne in Gesellschaft nackt sind. Dabei haben sie aber keine ideologische oder weltbildliche Motivation wie Naturisten oder FKKler. Sie sind vielmehr deshalb nackt, weil es eben gerade trendy und in Mode ist, zu zeigen, dass man modern und unverklemmt ist.
Im Gegensatz zu den Exhibitionisten ist bei Nudisten auch die sexuelle Motivation nicht der Hauptgrund. Nudisten geht es eher um die grundsätzliche Haltung, in der Öffentlichkeit und beim anderen Geschlecht, deutlich zu zeigen, dass man modern, körperlich attraktiv, unverklemmt, erotisch interessiert und sexuell begehrenswert ist.


Der Autor dieser Webseite

Thomas Numberger, Jahrgang 1972. Studium Bibliothekswesen und Medienwissenschaften. Interessiert an praktischen Kommunikationswissenschaften und angewandtem Informationsmanagement. Seit 1981 Autor und Texter. Seit 1994 Online-Redakteur und Webmaster. Seit 1995 bei Kino-, Film- und Fernsehen tätig. (Technik, Regie, Aufnahmeleitung und vieles mehr.) Seit 1996 im Eventmanagement tätig. Seit 1997 als Künstlermodell und Komparse im Einsatz, sowie wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Nacktheit. Seit 2004 als Wanderführer tätig. Arbeitet fast nur im nicht-kommerziellen, gemeinnützigen und ethisch-moralisch korrekten Bereich und sucht sich seine Auftraggeber sehr genau aus. Daher schlägt er sich meist mit schlecht bezahlten Aushilfsjobs, mehr schlecht als recht, durch. Wird, immer wieder Mal, von einigen wenigen netten Spendern finanziell unterstützt. - Danke!


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