Seminar: Tonträger I
Dozent: Prof. Nagl
Referent: Thomas Numberger
Wintersemester 1994/95
==> Alle wollen die Harmonisierung von Gegensätzen, eine bessere Welt und eine persönliche Bewusstseinserweiterung.
Verschiedene Auffassungen über den Sinn und die Wirkung von New Age Musik. Teilweise mit den Ursprüngen oder psychologisch begründet. Teilweise nur als Unterhaltung oder sogar als Gefahr bewertet. Argumente teilweise aus der Luft gegriffen.
==> Glaubensangelegenheit
Vorteil: Je nach Interesse verschiedene Bücher, die die jeweilige Meinung des Verfassers "hoch wissenschaftlich" beweisen.
Allgemeine Resignation Ende der '60er Jahre.
Hinwendung zu weltanschaulich-philosophischen Fragen.
(Hermann Hesse "Siddharta" / Zen-Buddhismus / Sektenverbreitung / Esoterik)
==> Aufkommen der indischen Meditationsmusik. (Für westliche Ohren ungewohnt.)
Durch Musical Hair Verbreitung der astrologisch-esoterischen Weltanschauung.
==> Seit '60er Jahren Wassermann statt Fische. (Neues Zeitalter = New Age)
==> Chance zu neuer Humanität, höherer Bewusstseinsstufe, Frieden und Harmonie.
Wirkung fast nur über Musik.
Funktionale Absichten.
Keine Musik im herkömmlichen Sinn, kein geformtes stilistisches Eigenleben.
Keine Tonalität.
Ruhige dahinschwebende Musik.
Tiefe, langsame, häufig durchgehende Schwingungen. (Gefühl der Weite)
Klangteppich in den man absinken soll.
Keine äußere Spannung oder rhythmische Belebung. (Harmonie, Zeitlosigkeit)
Ziel: Innerer Aufmerksamkeitszustand.
Seit '30er Jahren Versuche mit elektronischen Klangerzeugern.
Durch Schwingkreise war die Erzeugung völlig neuer Töne möglich.
Erstmals konnten reine Sinusschwingungen in der Musik eingesetzt werden.
Experimentelle Musik (Industrial / K.H. Stockhausen / Kraftwerk).
Man assoziierte die neuen Klänge mit Weltraum, Schweben, Harmonie.
==> Wendy Carlos: "Switch-On Bach" 1968 (Versuche mit Klassik) und Filmmusik zu "Clockwork Orange" 1971
Verbreitung außerdem durch Verbilligung der Elektronik.
New Age: Weit verbreiteter Begriff, gewinnversprechend.
==> Viele Musiker versuchten sich auf dem Gebiet.
==> Durch die Vermischung mit westlichen Musikstilen wurde die New Age Musik für die breite Masse eingängiger und verkäuflicher.
Extremfall : Muzak-Music
Es gibt sehr viele, auch kleine, gute Musiker verschiedener Richtungen. Die Auswahl sollte nach Gattung erfolgen, auch wenn deren Einteilung teilweise etwas ungenau ist.
Alexander Skrjabin, Claude Debussy, Maurice Ravel, Bela Bartok, Carl Orff
Mischung fernöstlicher und westlicher Musik.
Chaitanya Hari Deuter, Peter Michael Hamel, Kitaro, Ravi Shankar
Teilweise mit akustischen Instrumenten gemischt.
Wendy Carlos, Brian Eno, Jan Hammer, Jean-Michel Jarre, Vangelis, Klaus Schulze
Teilweise mit Musik gemischt.
Ohne Gesang.
Mischung von Komposition und Improvisation.
Siri Nam Singh, Dallas Smith
Ziel: Bewusstseinserweiterung, soll Negatives entfernen.
Sri Chinmoy, C.H. Deuter, Double Image, Karma, Steven Halpern
Ziel: Weitergabe der eigenen Kultur.
Mit Rasseln, Trommeln, Gruppengesängen.
R. Carlos Nakai
Sehr melodisch, balladenähnlich, aber erhöhtes Tempo.
Eberhart Schoener, Voyager
Zukunftsweisende und Experimentelle Musik mit New Age vermischt.
Meist hochmoderne/vollelektronische Instrumente.
"Cinemascope Music" oder "Bombast Pop".
Jean-Michel Jarre, Peter Baumann, Cusco, Brian Eno, Michael Oldfield, Klaus Schulze
Lange Töne, oft ohne Harmoniestruktur, Hörer kann sich individuelle Bilder machen.
Paul Horn, Andreas Vollenweider
Bestimmte Frequenzen, Intervalle, Gesänge zum Heilen/Wohlfühlen.
Roger Eno, Steven Halpern
Fast nur mit Synthesizer, vollkommen neue langgestreckte Töne, harmonisch.
Soll uns die unendliche Weite der menschlichen Psyche zeigen.
Edgar Froese, Kitaro, Klaus Schulze, Vangelis
Kein bestimmter Stil. Soll nicht unterhalten, sondern seelisch heilend sein.
Steven Halpern, Paul Horn, Kitaro, Vangelis, Andreas Vollenweider
Sie soll der Musik einen erweiterten Sinn geben und die Verbundenheit aller Menschen verdeutlichen.
Clannad, Enigma ?
Instrumente und Musikelemente verschiedener Völker gemischt.
Clannad, Cusco, Stephan Micus
Berendt, Joachim-Ernst: Das Dritte Ohr. Vom Hören der Welt.
Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 1988
Birosik, Patti Jean: The New Age Music Guide
New York: Collier Books, 1989
Bubmann, Peter: Urklang der Zukunft. New Age und Musik.
Stuttgart: Quell Verlag, 1988
Halbscheffel, Bernward und Kneif, Tibor: Sachlexikon Rockmusik
Reinbek: Rowohlt, 1992
Musik-Brockhaus
Mainz: Schott, 1982
Die Musik der achtziger Jahre
Mainz: Schott
Renken, Friederike: New Age Musik
Stuttgart: FHB Diplomarbeit
Schaefer, John: New Sounds. Virgin Guide to New Age Music.
Virgin Books, 1990
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