Thomas Numberger

Warum Soziale Netzwerke und die Filterblase das Ende der Demokratie herbeiführen werden
Warum Elektronische Informationsverarbeitung zu ineffizienten Informations-Messies führt
Über Digitale Demenz, Informations-Inkontinenz und Social Networking


 

"Das Internet stellt eine weitaus größere Bedrohung für die Menscheit dar als Kernenergie und Atomwaffen!"
(Thomas Numberger)

Warum Soziale Netzwerke und die Filterblase das Ende der Demokratie herbeiführen werden

Oft wird behauptet, dass die Datensammelwut der großen Internet-Datenkraken (Suchmaschinen, Soziale Netzwerke, Geheimdienste) eine große Gefahr für unsere Gesellschaft darstellen. Das mag sein, doch eine sehr viel größere Gefahr wird bisher komplett übersehen: Die Filterblase und ihre Auswirkung auf die Demokratie:

Aktuelle gesellschaftliche Phänomene, wie zum Beispiel die Stuttgart 21-Proteste oder die Zunahme von Islamismus und Fremdenfeindlichkeit, zeigen sehr deutlich wie die Filterblase der Sozialen Netzwerke die Demokratie schon in wenigen Jahren vollständig zerstören werden!

Das Problem: Soziale Netzwerke und personalisierende Suchmaschinen bieten endlich, und in absoluter Perfektion, das, was uns früher mal eine große Boulevard-Zeitung versprochen hat: "Dir Deine Meinung": Suchmaschinen zeigen nicht mehr die volle Breite des Wissens und der Fakten im Internet, sondern nur noch die Fakten die die eigene Meinung bestätigen. Soziale Netzwerke zeigen nicht mehr die breite Masse an verschiedenen Menschen und Meinungen auf diesem Planeten, sondern nur noch solche Kontakte und Meinungen die der eigenen Meinung entsprechen und uns suggerieren: "Fast alle Menschen denken so wie ich, ich bin Teil einer großen Masse an Gleichgesinnten, wir sind die Mehrheit, wir haben recht!"

Soziale Netzwerke und personalisierende Suchmaschinen geben uns sehr viel Selbstbestätigung, führen aber zu immer mehr kleinen und in sich geschlossen Gruppen, denen aber, innerhalb der Gruppe, suggeriert wird sie seien im Recht und eine große gesellschaftliche Gruppe. - Wenn man sich zum Beispiel in einem Sozialen Netzwerk als Unterstützer einer bestimmten Religion, Partei, politischen Meinung oder Weltsicht zu erkennen gibt werden einem von nun an hauptsächlich solche Kontakte angezeigt welche die selbe Meinung haben. Man bekommt automatisch mit der Zeit den Eindruck: Alle denken so wie ich, wir sind die gesellschaftliche Mehrheit. - Wenn dann aber irgendwann echte demokratische Wahlen stattfinden oder neutrale Medien über das Phänomen berichten, und dabei natürlich zwangsläufig zu einem völlig anderen Ergebnis kommen, ist man so in seiner, scheinbar objektiven, Filterblasen gefangen, dass man die demokratischen Wahlen für manipuliert und die neutralen Medien für Lügenpresse hält.

Die meisten Menschen verstehen nicht, dass die Filterblase, welche durch Soziale Netzwerke und personalisierende Suchmaschinen erzeugt wird, nicht neutral, objektiv und demokratisch ist, sondern zutiefst subjektiv und undemokratisch! Außerdem verfälscht sie komplett unsere Sicht auf die reale Welt und reale Werte. - Aber da die Filterblase uns sehr viel Selbstbestätigung, Selbstvertrauen und Mut gibt, lieben wir sie und glauben ihr viel mehr als den wirklich objektiven, neutralen und demokratischen Medien und Instanzen.

Durch Soziale Netzwerke und personalisierende Suchmaschinen wird das Vertrauen in demokratische Instanzen und neutrale Medien schon in wenigen Jahren vollständig verschwinden. Stattdessen werden wir eine stark diversifizierte Gesellschaft mit vielen kleinen, teilweise sehr stark radikalisierten, Gruppen werden, welche so sehr von sich und ihrer Meinung überzeugt sind, dass ihnen jedes Mittel recht ist um sich ihr vermeintliches Recht zu verschaffen.

Die Ineffizienz der Informations-Messies

Eine der dümmsten Unsitten des Menschen ist es, immer alles festhalten und archivieren zu müssen!

Bevor die Menschen die Schrift erfunden haben, mussten sie sich alles im Kopf merken und mündlich weitergeben. - Die Folge: Die Menschen früher konnten sich Sachen viel besser merken als wir heute. - Und es wurden nur diejenigen Informationen gespeichert und weitergegeben die wirklich wichtig waren. (Natürliche Reduktion)

Heute sind die Leute dümmer, können sich weniger merken und ersticken dafür in Unmengen von sinnloser Information.

Fazit: Wenn Informationsspeicherung und -weitergabe schwer, teuer oder aufwändig sind, selektiert man und sammelt/verschickt nur noch wirklich wichtige Informationen. - Wenn es dagegen einfach, schnell und kostengünstig ist, sammelt/verschickt man alles was nur geht und erstickt irgendwann im Informationsüberfluss.

Die Lösung für viele Probleme unserer Zeit ist daher: Ausmisten und Informationsmenge reduzieren!

Früher, als Briefe auf Papier geschrieben wurden, ist irgendwann der Schreibtisch überfüllt gewesen, dann musste man ausgemisten und alles unnötige weggewerfen. - Heute werden Briefe elektronisch verschickt und Speicherplatz ist günstig. - Schaues Sie sich mal Ihre alten Mailboxen und elektronischen Speichermedien durch. - Erschreckend was für einen Müll man da früher alles aufgehoben hat!

Wir werden zu einer Gesellschaft der Informations-Messies!

Langfristig ist die nicht-elektronische Informationssammlung und Informationsverarbeitung daher wesentlich effizienter und kostengünstiger als die elektronische!

Das Geheimnis der Evolution ist der Tod

Was ist das Geheimnis der Evolution: Tod und Verfall! - Altes muss regelmäßig sterben um Platz für neue Experimente der Natur zu machen. - Nur so ändern und mischen sich Genpools, nur so kann sich die Evolution immer wieder den veränderten Umwelteinflüssen anpassen!

Nur wir Menschen glauben uns über die Schöpfung stellen zu müssen und glauben, dass das was wir Menschen geschaffen haben viel wertvoller sei als das was die Natur geschaffen hat. - Und daher darf das was wir Menschen geschaffen haben nicht sterben, was die Natur geschaffen hat aber schon?

Bäumen, Pflanzen, Tiere und Menschen sterben wenn sie alt sind. - Häuser, Gebäude, Kunstwerke und Informationen werden unter Denkmalschutz gestellt und dürfen nicht sterben. - Warum?

Genetische Informationen werden ständig erneuert. - Von Menschen geschriebene Texte müssen bis in alle Ewigkeiten archiviert werden. - Warum?

Das ist die große Angst der Menschheit: Angst vor der eigenen Vergänglichkeit und Angst vor Veränderung. Daher versuchen wir alles aufzubewahren und festzuhalten.

Wer aber nicht loslassen kann, wird irgendwann so volle Hände haben, dass er gar nichts mehr festhalten kann!

Geliebt werden dank Sozialer Medien?

Allein das Wort finde ich grausam! - Ich arbeite seit Jahrzehnten in den Medien und kann versichern: Keine Branche ist so Asozial wie die Medien! - Die Worte Sozial und Medien widersprechen sich diametral!

Früher hatte man 2-3 gute Freunde. Mit denen hatte man zwar nicht oft Kontakt, aber wenn, dann wusste man, es sind gute verlässliche Freunde. - Heute hat man 500 Social Media Freunde (weil es durch solche Portale einfacher ist Freunde zu sammeln), aber bei manchen muss man erst mal überlegen: "Wer war das und woher kenne ich den überhaupt?"

Und man hat viele Leute in der Kontaktliste die fand man früher total unsympathisch, hat sie aber trotzdem als Kontakt bestätigt: "Wer weiß, wofür ich den Kontakt später mal gebrauchen kann." (Freunde aus reinem Eigennutz!)

Der Grund warum Soziale Netzwerke so erfolgreich sind ist doch nicht, dass die wirklich wichtig für unser Leben sind. - Der Grund ist: Menschen wollen geliebt und beachtet werden. - Wer im Sozialen Netzwerk ist, wird vermeintlich öffentlich beachtet und kann täglich an einer abstrakten Zahl (Anzahl seiner Kontakte) sehen wie viele Freunde er hat.

Das zeigen auch Befragungen von Nutzern Sozialer Netzwerke: Fast jeder schaut sich nach dem Einloggen erst mal an, wie hoch die aktuelle Kontaktzahl ist und ob sich daran was verändert hat. - Wenn sie sich vergrößert hat bekommt man einen Glücksschub, wenn sie sich verkleinert hat fragt man sich was man falsch gemacht hat.

Die Anzahl der eigenen Kontakte bei Sozialen Netzwerke ist inzwischen so etwas wie die "Private Lebens-Einschaltquote".

Aber Einschaltquoten sind scheiße! - Sie setzen uns unter permanenten Leistungsdruck. - Und ehrlich gesagt wissen wir doch alle: Meist sind die Sendungen mit der höchsten Quote die miesesten!

Aber Suchmaschinen und Soziale Netzwerke sind doch praktisch...

Suchmaschinen und Soziale Netzwerke sind nicht praktisch!

Das ist wie mit dieser großen deutschen Boulevard-Zeitung mit den 4 Buchstaben: Klar ist die auch praktisch und macht das Lesen einfacher und schneller als eine normale Tageszeitung. - Aber sie reduziert / komprimiert und verfremdet dadurch die Weltsicht und schränkt den Horizont ein. Man glaubt irgendwann, dass die Welt wirklich so ist wie es dort beschrieben wird, und dass man wirklich alles klar in schwarz und weiß einteilen kann.

Genau so ist es auch mit Suchmaschinen, Sozialen Netzwerken etc. - Man glaubt sie helfen einem die Informationsflut des Internets zu bändigen. Aber eigentlich reduzieren sie einfach nur unser Gesichtsfeld!

Fazit: Wir werden engstirniger und glauben, dass das ein Fortschritt ist, weil wir jetzt wieder deutlicher sehen können!

Der Autor dieser Webseite

Thomas Numberger, Jahrgang 1972, aufgewachsen als YPS-Leser und Computer-Kid in den 1980ern.
Studium Bibliothekswesen und Medienwissenschaften.
Schwerpunkte: Medienwissenschaften, Kommunikationswissenschaft, Geschichte, Funktionsweise, Konzeption, Aufbau und Betrieb von Massenmedien, Medien- und Eventmarketing, Informationstechnik, Medientechnik, analoger und digitaler Videoschnitt, Redaktion, Texten, Medienrecht, Informationswissenschaft, Webpublishing und Webprogrammierung, Aufbau und Administration von Internetservern
Seit mehreren Jahrzehnten im Medien-, Internet-, Foto-, Film- und TV-Bereich tätig.

Ich bin aktuell auf Jobsuche!

Bitte informieren Sie sich über meinen beruflichen Werdegang und meinen breiten Erfahrungsschatz.

Urheber- und Nutzungsrecht

Der Text auf dieser Webseite unterliegt meinem Urheberrecht und darf kostenlos, lizenzfrei und ohne Rücksprache verwendet werden, solange als Quelle www.thomas-numberger.de genannt und der Text inhaltlich nicht verfälscht wird.

Sie sind der 1948. Besucher dieser Webseite - Erste Textfassung: 4.7.2011 - Letzte Bearbeitung des Texts: 26.12.2015 - Kontaktformular - Impressum - Datenschutz - XHTML-Überprüfung