Nacktexperte Thomas

Meine Aktmodell-Autobiografie - Wie ich zum Nacktmodell wurde


Mein beruflicher Werdegang, Vita, Lebenslauf, Berufserfahrungen

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Ich habe in den 1990er Jahren an einer Hochschule mit sehr hohem Frauenanteil in Stuttgart studiert.

An der Hochschule galt ich einerseits als sehr fleißig und engagiert, war viele Jahre im A/UStA tätig, organisierte Einführungsworkshops, organisierte Partys, schrieb für die Studentenzeitung, leitete den Film-Arbeitskreis, erfand und organisierte super erfolgreiche lange Filmnächte, drehte und schnitt zahlreiche Videos, gründete und betrieb jahrelang den ersten Mail- und Webserver der Hochschule, arbeitete im IT-Service, war Berater in verschiedenen Gremien und vieles weitere mehr. Gleichzeitig galt ich aber auch als komischer Kauz, war Gutmensch, Vegetarier, trank keinen Alkohol, nahm keine Drogen, hatte keine Freunde oder Freundinnen, hatte keinen Sex, organisierte zwar selbst geniale Partys, war aber als Partygast unerträglich und langweilig.

Als mein Studium 1997 zu Ende ging wollte ich unbedingt einen Abschlussfilm für meinen Jahrgang produzieren und ein Abschlussjahrbuch. Den Abschlussfilm drehte und schnitt ich alleine, für das Abschlussjahrbuch holte ich mir noch 3 Kommilitoninnen als Hilfe.

Gerade zu der Zeit als wir an dem Abschlussjahrbuch arbeiteten erfuhr ich, dass es angeblich mehrere Studentinnen in meinem Jahrgang gegeben haben solle die "Interesse" an mir gehabt hätten. (Ob diese Gerüchte stimmen, welche Studentinnen das waren und welche Art von Interesse die Frauen an mir gehabt haben sollen, das alles weiß ich bis heute noch nicht.) Da diese Gerüchte von verschiedenen Seiten an mich herangetragen wurden, ich selbst aber nie etwas von irgendwelchem "Interesse" bemerkt hatte, hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen meinen Kommilitoninnen gegenüber und wollte zum Studienabschluss allen irgendwie eine kleine Freude machen und mich kollektiv bei allen entschuldigen. (Wusste aber noch nicht so genau wie.)

Während der Herstellung unseres Abschlussjahrbuchs stellten wir fest, dass sehr viele unserer Kommilitoninnen uns sehr langweilige Fragebogen-Antworten und auch sehr langweilige Porträtfotos eingereicht hatten. Eine meiner Mit-Redakteurinnen hatte daher die Idee ihren Fragebogen in Babysprache auszufüllen und ein Babyfoto, anstelle eines Porträtfotos, von sich zu verwenden. Bei der Fotosichtung entdeckte ich ein wunderschönes Nacktfoto von ihr, welches ihr damaliger Freund gemacht hatte. Da sie eine sehr toughe, freche, punkige und für ihren rauen Umgang mit Männern bekannte Frau war, kam mir spontan der Satz über die Lippen: "Wow, das ist ja ein geniales Foto von Dir, sollten wir das nicht im Jahrbuch abdrucken?" Schlagfertig hat sie natürlich sofort gekontert: "Aber nur wenn wir dann auch von Dir ein Nacktfoto im Jahrbuch abdrucken!" (Sie wusste natürlich, oder war sich zumindest sehr sicher, dass es von mir keine Nacktfotos gab.)

Mir aber ging die Idee nicht aus dem Kopf, ich wollte ja ohnehin allen meinen Kommilitoninnen ein nettes, kleines und von mir völlig unerwartetes Abschiedsgeschenk machen. Naiv wie ich war habe ich mir keinerlei Gedanken über die Folgen gemacht, bin nach Hause, warf ein Leintuch über den Heizkörper und machte, per Selbstauslöser, sechs ziemlich naive, alberne und eher schlechte Nacktfotos von mir. Einige Tage später ging ich zu meiner Mit-Redakteurin, erzählte ihr, dass ich mich nicht entscheiden könne welches Foto von mir ich für das Abschlussjahrbuch verwenden solle, und legte ihr die sechs selbstgemachten Nacktfotos auf den Tisch. Ihr fiel kurz die Kinnlade herunter, aber dann war klar: Deal ist Deal. Außerdem hatte ich inzwischen noch einen anderen männlichen Kommilitonen gefunden der ebenfalls ein Nacktfoto von sich für das Jahrbuch beisteuerte. - Daher gab es dann eben von uns dreien Nacktfotos im Jahrbuch.

Als sich dann der Redaktionsschluss unseres Abschlussjahrbuchs immer mehr näherte und wir immer mehr in Zeitdruck gerieten entschieden wir eine Wochenend-Session einzulegen: Wir besorgten uns den Schlüssel zur Hochschule, schlossen uns ein ganze Wochenende lang in einem PC-Raum ein und riefen alle Kommilitoninnen zum Kommen und zur Mitarbeit auf. Letztlich erschien dann aber niemand zu der Wochenend-Session, außer eben uns vier. (2 Frauen und 2 Männer) Aus Frust darüber, dass wir so wenig Hilfe vom Rest des Jahrgangs bekommen hatten, überlegten wir uns wie wir die anderen neidisch darauf machen konnten uns nicht geholfen zu haben. Meine Mit-Redakteurin (die mit dem Nacktfoto) hatte dann die Idee: "Wir könnten doch so tun als hätten wir hier eine wilde Gruppensex-Party im Rechenzentrum veranstaltet." Ich fand die Idee genial, und so haben wir vier uns dann am frühen Sonntagmorgen ausgezogen und zahlreiche wilde Nacktaufnahmen produziert, um Gerüchte darüber anzuheizen was bei unserem Abschlussjahrbuch-Wochenende tatsächlich passiert sei.

Einige der Gruppen-Nacktaufnahmen von uns haben wird dann im Vorwort und im Impressum unseres Jahrbuchs abgedruckt und einige habe ich auch in meinem Abschlussfilm verwendet. Am Abend unserer Abschlussfeier kam ich 2 Stunden zu spät zur Feier, da ich bis zur letzten Minute an meinem Abschlussfilm geschnitten hatte. Als ich auf der Party eintraf warteten alle schon sehnsüchtig auf meinen Film und das Jahrbuch war schon fast ausverkauft. Und tatsächlich waren die Nacktfotos von mir wohl die große Überraschung des Abends, weil wohl niemand gerade von mir mit Nacktfotos gerechnet hatte.

Eigentlich hätte die Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein sollen... - Nach der Abschlussfeier verstreute sich der Jahrgang in alle Winde, Jahrbuch und Film sollten in Vergessenheit geraten.

Allerdings fand ich (und einige Kommilitoninnen) nach Studienende keinen Job und blieben daher erst einmal weiter an der Hochschule. Ich hatte dort ja auch weiterhin sehr viel zu tun, betrieb weiter den Mail- und Webserver, arbeitete im IT-Service, dreht Filme, organisierte Filmnächte, veranstaltete Partys und A/UStA-Workshops, leitete mehrere Arbeitskreise, beriet Gremien und vieles weitere mehr. Kurz gesagt: Ich war inzwischen der Bunte Hund der Hochschule den jeder kannte und der auch teilweise sehr umstritten war.

Und da auch einige meiner ehemaligen Kommilitoninnen weiterhin an der Hochschule waren entstanden mit der Zeit zahlreiche Gerüchte zu mir und meinem Sexualleben. Irgendwie kamen die Leute nicht klar damit, dass ich einerseits scheinbar keinerlei Interesse an Beziehung und Sex habe, aber andererseits kein Probleme mit Nacktheit und Aktfotos von mir in der Öffentlichkeit. Und weil die wenigsten Leute sich getrauten mich persönlich anzusprechen und mich zum Sachstand zu befragen blühten dann eben die wildesten Gerüchte. - Weil die Themen Nacktheit und Sex zwar für die meisten Menschen ein großes Tabu sind, aber gerade deshalb auch alle brennend interessieren.

Letztlich gab es dann an der Hochschule mit der Zeit die wildesten Gerüchte und Lästereien über mich, meine Arbeit als Aktmodell und mein Sexualleben. (Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt alle Gerüchte falsch, da ich tatsächlich zuvor noch nie als Aktmodell, Nacktdarsteller oder ähnliches gearbeitet und auch noch keine Beziehung, Sex oder ähnliches gehabt hatte.) Die Gerüchte und Lästereien führten dazu, dass sich einerseits zahlreiche Personen von mir distanzierten und mich regelrecht anfeindeten. Aber gleichzeitig gab es dann auch immer wieder Anfragen an mich wegen meiner vermeintlich langjährigen Erfahrung als Aktmodell und Sexualtherapeut.

Mal war es ein Kultur-Arbeitskreis der für eine Veranstaltung dringend ein Aktmodell suchte. Mal ein Kunstkreis der ein Porträtmodell suchte. Ein paar mal waren es Studentinnen die unbedingt Nacktfotos von oder mit mir machen wollten. Mal eine Studentin die, nach einer traumatischen sexuellen Misshandlung in der Kindheit, einen Mann zum Üben des normalen Umgangs mit Nacktheit und Sexualität suchte. Mal ein paar Studentinnen die unbedingt einen nackten Mann anmalen wollten. Mal eine Studentin die unbedingt das Küssen mit mir üben wollte. Ich habe dann zwar immer darauf hingewiesen, dass ich absolut keine Erfahrung in diesem Bereich habe, trotzdem konnte ich die meisten Frauen die mich angefragt hatten dadurch nicht abhalten...

1998 veranstaltete ich einen Einführungs-Wochenend-Workshop für den neu gewählten A/UStA meiner ehemaligen Hochschule und lernte dabei eine Studentin kennen die schon seit Jahren regelmäßig als Aktmodell arbeitete. So bekam ich dann auch die Möglichkeit nicht nur als Aktmodell, sondern auch als Aktfotograf zu üben, da wir beiden dann abwechselnd Modell für den/die jeweils Andere/n standen.

Im Sommer 1999 endete mein HiWi-Job an meiner ehemaligen Hochschule und wegen Hochschul-Fusion, Umstrukturierungen und meiner umstrittenen Rolle an der Hochschule konnte ich nicht weiter dort beschäftigt werden. Ich hatte noch immer keinen Plan von meiner beruflichen Zukunft und schrieb das ganze Jahr zahllose erfolglose Bewerbungen.

Da sich im Herbst 1999 noch immer kein Job abzeichnete riet mir die Studentin, mit der ich seit 1998 abwechselnd Aktfotos gemacht hatte, mich doch einfach als Aktmodell an der Kunstakademie zu bewerben. Ich hielt das für gar keine gute Idee, da ich eine falsche Vorstellung von der Arbeit als Aktmodell hatte und der Meinung war, dass ich, mit meinem unattraktiven Aussehen, definitiv niemals jemanden finden würde der mich, noch dazu gegen Bezahlung, nackt sehen oder zeichnen wolle.

Letztlich siegte dann aber der weibliche Pragmatismus: "Thomas, Du sucht dringend einen Job, aber findest keinen. - Mache das doch nur mal ein paar Monate als Übergangslösung. - Bewirb Dich und probiere es mal aus, mehr als Absagen können sie Dir nicht." Und so bewarb ich mich dann eben testweise als Aktmodell an der Kunstakademie...

Genau zum Zeitpunkt meiner Bewerbung an der Kunstakademie wurde dort aber die Organisation der Aktmodelle vollständig umgestellt: Bis Juli 1999 hatte es 4 festangestellte Vollzeit-Aktmodelle und 160 Stunden Aktzeichnen, Aktmalen und Aktmodellieren pro Woche gegeben. Ab Oktober 1999 wurden stattdessen 4 komplett neue Aktmodelle eingestellt (eines davon war ich), wir neuen wurden nur noch auf Teilzeitbasis und ohne festes Stundenkontingent eingestellt. Gleichzeitig wurde der Unterricht von 160 auf maximal 40 Stunden pro Woche reduziert (verteilt auf 4 Modelle).

Der Plan war, dass der Professor, nach Absprache mit allen Professoren der Akademie, einen Einsatzplan für die Aktmodelle aufstellen sollte. Und wir Modelle dann jeweils zum geplanten Termin die entsprechenden Klassen besuchen, dort Modellstehen und anschließend auf Stundenbasis bezahlt werden sollten.

Leider funktionierte dieser Plan aber komplett gar nicht:
Die Ateliers der Klassen waren nicht vorbereitet, es gab oft keine Heizung (manche Räume waren komplett unbeheizt), keine Podeste (wir standen/saßen/lagen teilweise direkt auf kaltem Steinfußboden), keine Requisiten, keine vernünftige Beleuchtung, keine Umkleidemöglichkeiten. (Letztlich organisierte ich dann oft, aus eigenem Antrieb, Heizstrahler und Pappkartons zum Unterlegen für die Räume.)
Zudem funktionierte die Kommunikation zwischen Aktmodellen, Professoren und Studentinnen überhaupt nicht. Ständig fiel das Aktzeichnen/Aktmalen/Aktmodellieren aus, weil entweder das Modell krank und keine Vertretung anwesend war oder weil die Klassen auf Exkursion oder anderweitig beschäftigt waren und niemand das Modell informiert hatte.
Und es wurde auch keinerlei Unterricht, Betreuung oder Aufsicht angeboten. - Den meisten Studenten war freigestellt ob sie teilnehmen wollen oder nicht, was dazu führte, dass im Laufe des Semesters immer weniger Studenten teilnahmen.

Die Situation war für alle Seiten so frustrierend, dass schon nach wenigen Wochen kaum noch Studenten zum Aktzeichnen/Aktmalen/Aktmodellieren kamen, und, dass schon bis Dezember 1999 beide weiblichen Modelle gekündigt hatten. Anfang Februar 2000 kündigte dann auch noch das andere männliche Modell, so dass letztlich nur noch ich als einziges Aktmodell am Semesterende noch an der Akademie war. Einerseits hatte ich inzwischen bemerkt, dass mir die Arbeit als Aktmodell sehr lag und ich die kreativen und chaotischen Kunststudentinnen sehr mochte, andererseits hatte sich bei mir aber auch beruflich nichts ergeben, so dass ich auch aus finanziellen Gründen erst einmal an der Kunstakademie bleiben wollte.

In den Semesterferien im Frühjahr 2000 versuchte ich den für uns Aktmodelle zuständigen Professor zu erreichen, was aber sehr schwer war, da er nur schwer erreichbar und selten in Stuttgart war. Ich wollte unbedingt meinen Job behalten und im Sommersemester weitermachen, er war dagegen in seinem Atelier in Amsterdam sehr beschäftigt und hatte keine Zeit sich um das Thema zu kümmern. Irgendwann neigten sich die Semesterferien dem Ende zu, ich wurde immer nervöser und der Professor war von meinen ständigen Anfragen genervt. Kurz vor Semesterstart kam dann die E-Mail: "Herr Numberger, ich habe im Moment absolut keine Zeit dafür. Suchen Sie einfach ein paar geeignete Aktmodelle, tüfteln sie einen Einsatzplan aus und machen sie mit dem Unterricht ungefähr so weiter wie im Wintersemester. Den Papierkram und die monatlichen Stundenabrechnungen der Modelle legen sie mir einfach ins Postfach, ich unterschreibe wenn ich in Stuttgart bin."

Und so kam ich dann wie die Jungfrau zum Kind, bastelte am Computer einen einfachen Aushang mit kleinen Abreißzettelchen: "Suche Aktmodelle für die Kunstakademie. 19,99 DM pro Stunde, Bezahlung auf Lohnsteuerkarte. Ca. 10 Stunden pro Woche, Montags bis Donnerstags 10-20 Uhr nach Absprache." Und darunter meine private E-Mail-Adresse und Handynummer. Diese Zettel druckte ich in riesiger Stückzahl und reiste dann rund um Stuttgart zu allen möglichen Hochschulen und Kultureinrichtungen und bestückte sämtliche auffindbaren Pinnwände damit.

Durch diese Aktion lernte ich viele Schulen und Bildungseinrichtungen kennen und erfuhr so auch gleich wo überall im Großraum Stuttgart Aktzeichnen angeboten wurde. Und so konnte ich mich auch gleich überall persönlich vorstellen und als Aktmodell bewerben.

Allerdings war meine Zettelaktion anfangs eher erfolglos, ich musste am Semesteranfang erst einmal alle Schichten selbst übernehmen und auch einige befreundete Frauen anbettelt einzelne Schichten zu übernehmen. Erst im Mai meldete sich dann erstmals eine Bewerberin auf meine Aushänge (eine Studentin meiner früheren Hochschule) und übernahm dann auch längerfristig eine der Schichten an der Akademie.

Da ich seit Frühjahr 2000 auch immer wieder mal an der Filmakademie bei Dreharbeiten half und dort unter anderem auch öfters für Komparsensuche, Komparsenbetreuung, Aufnahmeleitung und Regieassistenz zuständig war baute ich mir einen Mailverteiler für Filmkomparsen auf. Durch die Aktmodellsuche begann ich dann zeitgleich auch mit dem Aufbau eines Mailverteilers für Aktmodelle und Aktkünstler. Aus dem Aktmodell-Mailverteiler entwickelte sich dann ein kleiner Aktkunst-, Aktfotografie- und Bodypainting-Arbeitskreis.

Um meine Aktmodellsuche und den Aktkunst-Arbeitskreis etwas bekannter zu machen schickte ich eine E-Mail an eine große deutschlandweite Studentenzeitschrift. Zugegebenermaßen hatte ich in der Mail wohl ein bisschen geflunkert, meine Erfahrung als Aktmodellvermittler und Aktkunstorganisator und auch die Größe unserer Gruppe und des Mailverteilers etwas übertrieben. Ein Redakteur der Zeitschrift ging aber voll auf meine Mail ein, machte ein großes mehrseitiges Interview mit mir und einen ausführlichen Bericht über eine Nikolaus-Bodypainting-Aktion unserer Gruppe, welches ursprünglich sogar als Titelthema der Dezemberausgabe der Zeitschrift genutzt werden sollte.

Durch den sehr großen und auffälligen Zeitschriftenartikel und auch meine viele Aushänge an alle Schulen und Kultureinrichtungen im Großraum Stuttgart wurde unsere Gruppe und auch ich dann recht bekannt. Allmählich kam meine Aktmodell-Tätigkeit und Aktmodell-Vermittelei dann immer mehr in Fahrt und ich wurde mit den Jahren in der Szene sehr bekannt, war schon nach kurzer Zeit ein recht beliebtes Aktmodell, was dann durch weitere Interviews und Presseberichte noch verstärkt wurde.

In den Jahren 2000 und 2001 wurde ich dann in kürzester Zeit sehr bekannt und konnte mich zeitweise vor Anfragen kaum retten. - Ich hatte allerdings nicht mit dem Finanzamt gerechnet...

Tatsächlich habe ich Aktmodell immer als mein großes leidenschaftliches Hobby betrachtet und die Möglichkeit damit auch ein wenig Geld zu verdienen eher als nebensächlich eingestuft. (Auch wenn es immer wieder Zeiten in meinem Leben gab wo ich auf jedes Einkommen angewiesen war.)

Als Aktmodell in der Bildenden Kunst verdient man nur äußerst wenig und wird auch nur für wenige Stunden gebucht. Richtig davon leben kann man nur wenn man eine Schule hat die einen als Modell fest anstellt, solche Festanstellungen von Aktmodellen sind inzwischen aber fast komplett ausgestorben. Aktmodell ist also eine sehr prekäre Beschäftigung welche sich tatsächlich nur als Hobby, aber nicht als Beruf eignet. Und tatsächlich werden Aktmodelle meist als nebenberuflich Ehrenamtliche eingestuft und können daher ihre karge Gage von Kultur- und Bildungseinrichtungen üblicherweise als Aufwandsentschädigung ohne Steuern und Sozialabgaben ausbezahlt bekommen.

Durch meine große Bekanntheit und die zahllosen Aktmodelljobs in den Jahren 2000 bis 2002 wurde das Finanzamt auf mich aufmerksam und bestritt, dass Aktmodell in meinem Fall nur ein Hobby sei. Daher musste ich rückwirkend ein Gewerbe als Aktmodell anmelden. Und infolge der Gewerbeanmeldung musste ich dann auch für alle Aktmodell-Gagen Steuern und besonders Sozialabgaben nachzahlen. Die Folge: Nach Abzug von Fahrtkosten, Unkosten, Steuern und Sozialabgaben machte ich in den Jahren 2000 bis 2002 sogar finanzielle Verluste mit der Arbeit als Aktmodell.

Aus diesem Grund habe ich dann im Jahr 2002 wirklich jeden erdenklichen Modelljob, darunter auch Werbung, Film- und TV-Sachen, versucht an Land zu ziehen, um irgendwie mehr Geld verdienen zu können. Und auch viele Jobs gemacht die ich heute so nicht mehr machen würde.

Anfang 2003 war ich verzweifelt wegen den vielen stressigen und teilweise sehr schlechten Jobs die ich angenommen hatte und dem trotzdem viel zu geringen Einkommen. Ich überlegte daher ernsthaft meine Aktmodell-Tätigkeit aufzugeben. Doch dann hatte ich plötzlich riesiges Glück und bin in den besten Job meines Lebens rein gestolpert: BTV4U.

Ich hatte ganz überraschend im März 2003 ein Praktikum in der BTV4U-News-Redaktion mit anschließendem Volontariat bekommen, bemerkte aber sehr schnell, dass tagesaktueller Journalismus absolut nicht mein Ding ist, war schon am Überlegen zu kündigen. Doch dann wurde plötzlich jemand für die Nachtschicht in der Sendeabwicklung gesucht und die Technik dort hatte mich wahnsinnig fasziniert. Mein Sendeabwicklung-Chef war nach kurzer Zeit schon so überzeugt von mir, dass er mir anbot seine Stellvertretung täglich von 23 bis 11 Uhr zu übernehmen. Nach einiger Zeit wurde dann noch jemand für die technische Betreuung der Late-Night-Show gesucht, und da ich um diese Zeit ohnehin immer im Sender war und daher dem Sender keine extra Kosten entstanden war ich dann dafür auch noch zuständig. Und als dann 2 Redakteure eine Morningshow planten, dafür aber, aus Kostengründen, kein technisches Personal vom Sender zur Verfügung gestellt bekamen, ich aber großes Interesse hatte mich redaktionell und technisch daran zu beteiligen und zudem auch um diese Uhrzeit ohnehin immer im Sender war, bot sich das natürlich auch an und ich habe fast 300 Folgen der Morningshow über den Sender gebracht.

In den Jahren 2003 und 2004 habe ich daher zwischen 65 und 80 Stunden pro Woche bei BTV4U gearbeitet, immer in der Nacht von 22:00 bis 10:30 Uhr, aus diesem Grund habe ich dann meine Arbeit als Aktmodell fast vollständig eingestellt.

Ende 2004 verlor BTV4U seine Sendelizenz und ich stand ab Januar 2005 wieder ohne Job auf der Straße. Das Jahr 2005 verbrachte ich mit zahllosen Bewerbungen und mehrere Praktika bei Film und TV. Da sich aber keinerlei berufliche Perspektive und kein Einkommen ergab begann ich notgedrungen wieder mit der Arbeit als Aktmodell. Allerdings hatte die Kunstakademie das Aktzeichnen zwischenzeitlich von 40 auf 12 Stunden pro Woche reduziert (verteilt auf 4 Modelle) und die Modelle von Teilzeit auf Geringfügig herabgestuft.

Da mir aber klar war, dass sich mit der Arbeit als Aktmodell als angemeldetes Gewerbe wieder nur Verluste erwirtschaften lassen würden erweiterte ich 2006 mein Gewerbe um Filmvorführer. Ab Frühjahr 2006 arbeitet ich daher vor allem beim Kommunalen Kino und bei diversen Filmfestivals als freiberuflicher Filmvorführer. Die Arbeit als Aktmodell trat, aufgrund der geringen Verdienstmöglichkeiten, immer mehr in den Hintergrund.

Im Sommer 2008 meldete dann aber das Kommunale Kino Insolvenz an und ich verlor so meinen wichtigsten Auftraggeber. In den darauffolgenden Jahren sank zudem, wegen zunehmender Digitalisierung, der Bedarf an Filmvorführern bei den Filmfestivals.

Im Jahr 2010 beendete die Kunstakademie die Minijob-Anstellung der Aktmodelle und bezahlt Modelle seither auf Honorarbasis. Dadurch musste ich auf diese Honorare jetzt alle Steuern und Sozialabgaben in voller Höhe selbst bezahlen. Gleichzeitig hatte ich mich 2010 von meinem Wanderverein dazu überreden lassen, fast im Alleingang, die Internationalen Volkswandertage Stuttgart zu veranstalten, wodurch ich fast 5 Monate nur mit der Veranstaltungsorganisation beschäftigt war und das Modellstehen sehr zu kurz kam. Aufgrund der zurückgehenden Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten arbeitet ich im Herbst 2010 einige Monate in einem neuen Bio-Supermarkt. Der Laden lief aber sehr schlecht, so dass sich daraus keine längerfristige berufliche Option ergab.

2011 gelang es mir wieder deutlich mehr Aktmodelljobs zu bekommen, trotz erneuter Organisation der Internationalen Volkswandertage Stuttgart. Gleichzeitig gingen die Einnahmen als Filmvorführer immer stärker zurück. Es wurde immer mehr absehbar, dass sich mit meinem Gewerbe als Aktmodell und Filmvorführer nicht wirklich ernsthafte Gewinne erwirtschaften ließen.

2013 ging an der Kunstakademie ein sehr guter Professor in Ruhestand und das Aktzeichnen wurde in der Folge von 12 auf 6 Wochenstunden reduziert (verteilt auf 4 Modelle). Ende des Jahres ging dann noch ein sehr guter Mitarbeiter der Universität in Ruhestand und das von ihm jahrzehntelang sehr extensiv betriebene Aktzeichnen und Aktmalen wurde restlos eingestellt.

Ab 2014 wurde ich von kaum noch einem Filmfestival mehr gebraucht und auch die Modelljobs gingen stark zurück. Die Arbeit als Aktmodell und der Zwang unbedingt möglichst viel Geld zu verdienen und jeden noch so gruseligen Job anzunehmen machten mir immer mehr Stress und Sorgen.

Im Frühjahr 2015 bekam ich recht kurzfristig einen Job bei einem großen Kinobetreiber in Pforzheim. Der Job und besonders mein Aufgabengebiet in den Kinos entwickelte sich sehr stark, so dass ich schon bald keine Zeit mehr für irgendwas anderes hatte und auch alle Hobbys aufgeben musst. Da ich für den Kinojob nach Pforzheim umziehen musste und in der Folge mein Aktmodell-Filmvorführer-Gewerbe hätte ummelden müssen, entschied ich, mich von diesem Verlustbringer zu trennen und das Gewerbe endgültig abzumelden. Aufgrund der extrem zunehmenden Arbeitsbelastung in den Kinos konnte ich Aktmodell letztlich noch nicht einmal als Hobby fortführen.

Nach einem fast ausgebrochenen BurnOut, aufgrund meines Kinojobs im Frühjahr 2019, war mir klar, dass ich den Job in dieser Form aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen konnte. Leider bin ich dann im Sommer 2019, ganz übereilt, als technischer Mitarbeiter zu einer Privatschule nach Heilbronn gewechselt. Mein Aufgabengebiet, die Arbeitszeiten und das Betriebsklima dort waren leider überhaupt nicht meins. 2 Jahre lang habe ich den Job völlig frustriert durchgezogen und dann gekündigt. Für Aktmodell hatte ich in dieser Zeit absolut keinen Nerv mehr.

2022 habe ich dann einen neuen und ganz anderen Job als Maschinenbediener und Sachbearbeiter in Stuttgart begonnen. Leider wurde ich dort nach einem dreiviertel Jahr krank. Da die Symptome und Krankheitsbilder sehr unterschiedlich und verwirrend sind habe ich die Jahre 2023, 2024 und 2025 vor allem bei Ärzten und in der Reha verbracht. Bis heute ist unklar was ich wirklich habe und die Ärzte rätseln herum: Vielleicht Spätfolgen des BurnOuts in 2019, vielleicht Spätfolgen eines Unfalls in 2021, vielleicht Spätfolgen einer Covid-Erkrankung in 2022, vielleicht Überlastung im Job in 2022, vielleicht eine Mid-Life-Crisis, vielleicht eine Folge von psychischen Problemen die ich schon mein ganzes Leben mit mir rumschleppe...

Im Jahr 2023 spazierte ich, nach einem meiner vielen Arztbesuch, noch ein wenig in Stuttgart herum und traf dabei den Malerei-Werkstattleiter meiner Lieblings-Aktzeichnen-Location. Er fragte mich wo ich mich die letzten Jahre herumgetrieben hätte und ich stellten überrascht fest, dass ich genau 10 Jahre lang nicht mehr bei ihm Modell gestanden hatte. "Hast Du nicht mal wieder Lust bei uns Modell zu stehen? Die Zeichner haben Dich früher immer sehr gern gezeichnet."

Und so habe ich dann im Herbst 2023 wieder ganz vorsichtig mit dem Aktmodellstehen angefangen. Aber heute nur noch als Hobby und nur noch für nette Gruppen und interessante Projekt die mir Spaß machen. Und nicht mehr mit dem Druck unbedingt jeden Job annehmen zu müssen.

Der Autor dieser Webseite

Thomas Numberger, Jahrgang 1972, aufgewachsen als YPS-Leser und Computer-Kid in den 1980ern, online seit 1994, FKKler und Aktmodell seit 1997.
Studium Bibliothekswesen und Medienwissenschaften.
Schwerpunkte: Medienwissenschaften, Kommunikationswissenschaft, Geschichte, Funktionsweise, Konzeption, Aufbau und Betrieb von Massenmedien, Marketing, Informationstechnik, Medientechnik, analoger und digitaler Videoschnitt, Redaktion, Texten, Medienrecht, Internetrecherche, Webpublishing und Webprogrammierung, Aufbau und Administration von Internetservern
Seit mehreren Jahrzehnten im Medien-, Internet-, Foto-, Film- und TV-Bereich tätig.

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